CBD und Politik - Einstellung zu Hanf und Cannabidiol

INHALTSVERZEICHNIS

Was CBD mit Politik zu tun hat? Hier findet Ihr es raus!
CBD (Cannabidiol) ist, genauso wie das bekannte THC (Tetrahydrocannabinol), ein Cannabinoid, welches aus der weiblichen Hanfpflanze extrahiert werden kann. Aufgrund der ähnlichen Herkunft und Entstehung der beiden Cannabinoiden, gibt es einige Unsicherheiten, Fragen und Vorurteile in Bezug auf die Legalität von CBD. Diese sollen im Folgenden geklärt werden!

THC - der dunkle Schatten von CBD?

Seit ein paar Jahren ist der CBD-Trend aus Amerika nach Europa und somit auch nach Deutschland geschwappt und man kann CBD-haltige Produkte in verschiedenen Formen, wie zum Beispiel CBD Öl oder CBD Liquid, erhalten. Wie schon erwähnt, stammt sowohl Cannabidiol, als auch THC, aus der Hanfpflanze. Zu den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der beiden Cannabinoiden haben wir auch schon einen Blogpost geschrieben. THC, welches schon länger als berauschende Droge mit psychoaktiver Wirkung bekannt ist, wirft hier einen dunklen Schatten auf das nahezu nebenwirkungsfreie und nicht-psychoaktiv wirkende Cannabidiol.

Die dennoch negative Betrachtung von Cannabidiol, hat mehrere Gründe.

Zum einen ist THC schon viel länger bekannt und das vor allem als Droge. Aufgrund der positiven Wirkung von psychischer und physischer Entspannung wurde und wird primär im medizinischen Bereich geforscht. Durch einige Studien sind sowohl Nebenwirkungen, als auch Langzeitfolgen und weitere Risiken bekannt. Mithilfe dieser Erkenntnisse wurden THC-haltige Produkte als illegal im Betäubungsmittelgesetz deklariert. Für Arzneimittel, die auf THC basieren, können ÄrztInnen allerdings verschreibungspflichtige Rezepte erstellen. [1]

CBD dagegen ist noch weitestgehend unerforscht und es gibt keine Langzeitstudien, die klare Aussagen in Bezug auf die Wirkung treffen können. Deshalb ist es zum einen für KonsumentInnen und zum anderen für PolitikerInnen schwer nachvollziehbar und trennbar, was legal und was illegal gehandhabt werden soll. Aus diesem Grund gibt es Initiativen, wie beispielsweise die European Industrial Hemp Association (EIHA), die sich vor allem für Aufklärung und die Interessen der Hanfindustrie einsetzen. 

CBD - ein Novel Food?

Anfang 2019 entstand eine Diskussion über die Änderung im europäischen Katalog über neuartige Lebensmittel. Als neuartiges Lebensmittel, auch Novel Food genannt, werden hier Lebensmittel gezählt, die vor Mai 1997 noch nicht in größeren Mengen konsumiert wurden. Auch hierzu gibt es einen Blogartikel von uns - vorbeischauen lohnt sich. Vor der Änderung wurde Hanf (darunter auch CBD) als ein Teil der früheren Ernährungsweise angesehen und war somit nicht auf kostenintensive Zulassungsanträge angewiesen. Die Änderung besagt, dass nur noch Produkte aus Hanfsamen als nicht neuartiges Lebensmittel angesehen werden. Außerdem werden Blüten und Blätter nicht mehr genannt und verschwimmen somit in einer Grauzone. Zusätzlich gibt es einen neuen Eintrag, in dem beschrieben wird, dass Cannabinoide als neuartiges Lebensmittel zählen. Die Vorschriften des europäischen Katalogs für neuartige Lebensmittel sind zwar nicht bindend für Mitglieder der Europäischen Union, dennoch haben sie eine richtungsweisende Funktion und können die Mitgliedstaaten beeinflussen. [2]

CBD und Politik

CBD und die Politik in Deutschland - das Betäubungsmittelgesetz

Die Bundesregierung kann mit hilfe der zuständigen Bundesministerien, in diesem Fall das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), eine eigene Entscheidung treffen. Laut einem Statement des BMEL gilt in Deutschland: hanfhaltige Lebensmittel sind kein Novel Food, allerdings sind Isolate oder nicht natürlich angereicherte Extrakte von Cannabinoiden nicht ohne weiteres legal in Deuschland und müssen dafür als Novel Food angemeldet werden. [3]

Das bestätigt auch die World Health Organization WHO in ihrem Bericht über CBD. Demnach gilt Cannabidiol als eine sichere Substanz, die als Grundlage für Arzneimittel dienen, sowie für den alltäglichen Gebrauch genutzt werden kann [4]

Aber wer entscheidet eigentlich was legal ist und was nicht und inwiefern kann die Politik eingreifen?

Drogen, betäubende und schädliche Substanzen mit Suchtpotential können von der Bundesregierung unter das Betäubungsmittelgesetz BtMG genommen werden. Das BtMG regelt den generellen Umgang, vor allem den Anbau, die Herstellung, den Handel, sowie Export und Import, die Abgabe und Veräußerung, genauso wie das Inverkehrbringen und den Erwerb von Betäubungsmitteln. Es gibt drei Kategorien, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen §1 BtMG: „Betäubungsmittel im Sinne dieses Gesetzes sind die in den Anlagen I bis III aufgeführten Stoffe und Zubereitungen. Die Bundesregierung wird ermächtigt, nach Anhörung von Sachverständigen durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates die Anlagen I bis III zu ändern oder zu ergänzen, wenn dies:

  1. nach wissenschaftlicher Erkenntnis wegen der Wirkungsweise eines Stoffes, vor allem im Hinblick auf das Hervorrufen einer Abhängigkeit,
  2. wegen der Möglichkeit, aus einem Stoff oder unter Verwendung eines Stoffes Betäubungsmittel herstellen zu können, oder
  3. zur Sicherheit oder zur Kontrolle des Verkehrs mit Betäubungsmitteln oder anderen Stoffen oder Zubereitungen wegen des Ausmaßes der missbräuchlichen Verwendung und wegen der unmittelbaren oder mittelbaren Gefährdung der Gesundheit erforderlich ist“. [5]

Die drei Anlagen sind folgende:

  1. Das BtMG schließt verkehrsunfähige Betäubungsmittel ein. Sowohl das Handeln als auch die Abgabe verkehrsunfähiger Betäubungsmittel ist illegal. Drogen, wie beispielsweise LSD oder THC, fallen unter diesen Teil des Gesetzes.
  2. Außerdem werden verkehrsfähige, aber nicht verschreibungsfähige Betäubungsmittel erfasst. Das sind Betäubungsmittel, mit diesen zwar gehandelt werden darf, diese aber nicht verschrieben, bzw. konsumiert werden dürfen. Darunter fallen beispielsweise verschiedene Ausgangsstoffe der Cocablätter.
  3. Verkehrsfähige und verschreibungsfähige Betäubungsmittel, wie Morphin oder Cannabis, unterliegen auch dem BtMG und können dem folgend in vorgeschriebenen Mengen von ÄrztInnen verschrieben werden. Die Betäubungsmittel dieser Kategorie werden meist therapeutisch in der Medizin eingesetzt.

Nach diesen Kriterien werden Substanzen also eingestuft und entsprechende im Gesetz verankert. Hierbei gibt es natürlich einige Ausnahmen und Substanzen, die unter bestimmten Voraussetzungen in gewissen Mengen verschrieben werden dürfen. Im Gegensatz zu THC und Cannabis unterliegt Cannabidiol nicht dem BtMG, dennoch wird viel über den noch unerforschten Wirkstoff diskutiert. Die immer wieder aufkommenden Diskussionen um die Legalität erschweren den Markteinstieg von CBD als Arzneimittel und als alltägliches Produkt. [6] [7]

Hat die Politik Einfluss auf das Image von CBD?

Man kann also erkennen, wie schwierig und unklar der Umgang mit CBD oft dargestellt wird. Das bestätigt auch eine Umfrage des EarsandEyes Marktforschungsinstituts aus dem Jahr 2019. Die Umfrage umfasst 1000 Befragte, von denen lediglich 6% den CBD-Konsum vollständig ablehnen. Die angegebenen Gründe der Ablehnung sind eine Folge der Unaufgeklärtheit: um die 70% der Befragten wollen prinzipiell keine Produkte aus Hanf konsumieren. Ca. 30% fürchten allerdings eine Abhängigkeit und um die 25% gehen davon aus, unangenehme Nebenwirkungen zu bekommen. Ca. 15% befürchten sich strafbar durch CBD-Konsum zu machen. Um mehr Klarheit zu schaffen, sollte es deshalb:

  • Mehr Studien und Forschung im Bereich CBD geben, sowohl auf medizinischer Ebene, aber auch in Betracht der Nutzung von CBD im Alltag. Mitunter die Nutzung von CBD auf zwei Ebenen macht es zu einer so interessanten Substanz. Durch die Dosierung kann gewählt werden, ob der Effekt stark sein soll, beispielsweise im Sinne einer Therapie gegen Krankheiten wie Epilepsie, oder schwach und dadurch ein besseres Wohlbefinden zu ermöglichen. Dazu kommt, dass Cannabidiol ein natürlicher Stoff ist und vor allem im medizinischen Bereich interessieren sich immer mehr Menschen für alternativen Behandlungsmethoden. Das zeigt eine Studie des Global Consumer Surveys aus dem Jahr 2019 über medizinisches Cannabis: Etwa jeder zweite kann sich vorstellen, medizinisches Cannabis als Behandlung einzunehmen. 47% sehen in Cannabis eine gute Alternative zu traditionellen medizinischen Produkten und 24% würden es sogar chemischen Medikamenten vorziehen. 29% finden, Cannabis sollte für jeden zugänglich sein und nur 12% sind gegen die Legalisierung von Cannabis.

Wie man sehen kann, ist das Interesse an medizinischen Produkten, die aus der Hanfpflanze stammen, gegeben. Es fehlen nun Forschungsansätze für die Wirkungen und Nebenwirkungen von Cannabidiol, um eindeutige Aussagen treffen zu können und nach weiteren Medikamenten forschen zu können. Eine Prognose aus der USA aus dem Jahr 2016 schätzt das potentielle Marktvolumen für cannabidiolbasierte Arzneimittel in den USA in den Jahren 2020 bis 2029 bis zu 50 Milliarden US Dollar groß.

Wieso aber ist die Trennung zwischen medizinischer und alltäglicher Nutzung so wichtig?

Zum einen variiert der Anteil und die Menge an CBD, welche eingenommen werden soll, um den gewollten Effekt zu bekommen und damit auch die Nebenwirkungen, sowie deren Stärke. Zum anderen dürfen derzeit keine Angaben von Herstellern und Verkäufern über die Dosierung gemacht werden, sowie sogenannte Health Claims ausgesprochen werden. Health Claims sind vor allem auf die Wirkung bezogene Aussagen, die noch nicht wissenschaftlich fundiert sind und sich je nach Dosierung unterscheiden können. CBD als Arzneimittel wäre somit ein anderes Produkt, als es CBD für den alltäglichen Nutzen darstellt. Beide Arten der Nutzung stellen aber große Vorteile dar, für die Politik, die Medizin und Individuen und eröffnen ein weites Forschungsfeld.

CBD und Politik

Bei der Betrachtung der importierten Cannabis-Sorten in Deutschland, kann man ganz klar erkennen, dass die Nachfrage an CBD-dominanten Hanfpflanzen deutlich höher ist als die der THC-dominanten Pflanzen. Diese Erkenntnis zeigt die Dringlichkeit für die Forschung im Bereich CBD, auf der einen Seite in medizinischer Sicht und auf der anderen Seite aus der Perspektive von Privatpersonen, wie beispielsweise SportlerInnen, etc. [8]

  • Eine differenziertere Aufklärung zwischen THC und CBD muss gegeben sein, damit sich KonsumentInnen sicher sein können, was sie legal erwerben können und welche Wirkungen, sowie Nebenwirkungen auftreten können.
  • Mehr Transparenz auf Seiten der Verkäufer: viele Verkäufer halten sich nicht an die Richtlinien. Deshalb liegt es momentan beim Käufer selbst auf die Qualität, sowie den THC-Gehalt des CBD-Produkts zu achten. Mehr Transparenz und klare Vorgaben für die Verkäufer sorgen für eine bessere Orientierung der KundInnen auf dem Markt. Durch Beiträge wie diese, versuchen wir mit der Thematik offen und transparent umzugehen. 

Aber was hat die Politik mit der Forschung, Aufklärung und Transparenz zu tun, wenn CBD doch überhaupt nicht als illegale Substanz in Deutschland zählt?

Bei dieser Frage geht es sowohl um die wirtschaftlichen Voraussetzungen des CBD Markts, als auch um das Potential von CBD.

Wie wir vorhin schon gesehen haben, wird Cannabidiol immer noch häufig mit THC und somit mit einer illegalen Substanz verknüpft und des Öfteren sogar verwechselt. Um das zu ändern reicht es nicht, CBD nicht als Betäubungsmittel zu deklarieren, sondern es braucht eine klare Stellungnahme welche Produkte legal zu erwerben sind. Denn viele Menschen sind durch die unklare Deklaration und ständige Veränderungen, wie zum Beispiel der des Novel Food Katalogs der EIHA, verunsichert.

Um sowohl für Hersteller und Verkäufer, als auch KundInnen faire Bedingungen auf dem Markt zu schaffen, benötigt es politische Unterstützung. Denn die Nachfrage für CBD-haltige Produkte ist groß. Das kann man momentan in den USA erkennen. Hier ist die Forschung am weitesten fortgeschritten und die Debatte über Cannabidiol ist in aller Munde. Die Food and Drug Administration (FDA) der USA arbeitet derzeit an einem klaren Regelwerk für CBD. [9] [10]

Was ist in Deutschland legal?

Aber zurück nach Deutschland; wir haben zusammengefasst, welche Anforderungen gelten, damit CBD in Deutschland legal ist:

  • Herstellung darf ausschließlich aus zertifiziertem, europäischer Nutzhanf getätigt werden
  • Es muss ausgeschlossen sein, dass es sich um Nutzhanf handelt, der als Arzneimittel oder neuartige Lebensmittel Verwendung findet (neuartige Lebensmittel sind Isolate und nicht natürlich angereicherte Extrakte von Cannabinoiden). Das bedeutet, klassischer Nutzhanf ist in Deutschland legal.
  • Der klassische Nutzhanf darf nur für gewerbliche oder wissenschaftliche Zwecke genutzt werden (medizinischer Zweck hat andere Richtlinien)
  • Richtwert von 0,2% THC-Gehalt darf nicht überschritten werden
  • Für Medikamente oder neuartige Lebensmittel müssen Anträge auf Zulassung gestellt werden
  • Ausschluss von Missbrauch zu Rauschzwecken muss gewährleistet sein
CBD und Politik

In Deutschland:

Legal:

Illegal:

Zertifizierter, europäischer Nutzhanf, der nicht als Novel Food oder Arzneimittel vorgesehen ist

Nicht zugelassenes Novel Food: Isolate und nicht natürlich angereicherte Extrakte von Cannabinoiden

Medikamente oder Novel Food werden nur nach einem Zulassungsverfahren akzeptiert

Nicht zugelassene Medikamente

Gewerblicher oder wissenschaftlicher Zweck

Produkte mit einem THC-Gehalt über 0,2%

Der THC-Gehalt darf nicht über 0,2% sein

 

Missbrauch durch Rausch muss ausgeschlossen werden

 

[11] [12]

Fazit

Wie man sehen kann, hat Cannabidiol ganz schön viel mit der Politik am Hut! Es geht hierbei vor allem um das Image, aber auch um medizinischen Fortschritt und neuen Erkenntnissen bezüglich der Wirkungen und Nebenwirkungen von CBD.

Das Interesse an CBD wächst und es gibt immer wieder Initiativen, die sich für mehr Forschung und Aufklärung einsetzen. Das kann man vor allem in den USA sehen: je politisierter die Debatte wird, desto mehr wird in den Fortschritt und die Forschung investiert.

Man kann also nur hoffen, dass sich Debatte um CBD weiter verstärkt und durch das Interesse mehr Aufklärungsarbeit und Abgrenzung zu THC geleistet wird und sich die Forschung somit mehr auf CBD fokussiert. Sobald dies geschehen ist, wird CBD dementsprechend auch in unserer Gesellschaft allgemein Akzeptanz und Anerkennung bekommen. 

Viele Grüße,
Nick vom Optarise Team 

Optarise CBD

Quellen:

[1] https://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Broschueren/2017_-_Basisinfo_Cannabis.pdf

[2] https://eiha.org/status-of-hemp-extracts-in-europe/

[3] https://cbd-infos.com/cbd-novel-food/

[4] https://www.who.int/medicines/access/controlled-substances/CannabidiolCriticalReview.pdf

[5] https://www.gesetze-im-internet.de/btmg_1981/__1.html

[6] https://www.gesetze-im-internet.de/btmg_1981/anlage_i.html

[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Bet%C3%A4ubungsmitteln_nach_dem_Bet%C3%A4ubungsmittelgesetz

[8] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/687947/umfrage/importierbare-cannabis-sorten-nach-herkunft-und-gehalt-an-thc-und-cbd/

[9] https://www.hanf-magazin.com/politik/international/fda-plant-die-baldige-regulierung-von-cbd-produkten/

[10] https://www.fda.gov/news-events/public-health-focus/fda-regulation-cannabis-and-cannabis-derived-products-including-cannabidiol-cbd#legaltosell

[11] https://www.bvl.bund.de/SharedDocs/FAQ/DE/02_Unternehmer/01_Lebensmittel/03_FAQ_Hanf_THC_CBD/04_FAQ_Cannabidiol_CBD.html

[12] https://www.bfarm.de/SharedDocs/FAQs/DE/BtmGrundstoffeAMVV/Cannabis/cannabis-faq14.html

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